Festgeldsparer müssen umdenken

Die Entscheidung der Europäischen Union, Großanleger, Sparer mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro, an der Sanierung einer Bank in Schieflage zu beteiligen, fordert ein Umdenken bei den Anlegern von Festgeld. Weshalb ein Mensch, der über ein Vermögen von 100.000 Euro verfügt, ein Großanleger ist, bleibt grundsätzlich fraglich.

Wer sein Leben lang auf welche Art auch immer gespart hat, um damit seine Rente zu erhöhen, und nun mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei seiner Hausbank von den Zinsen den Ruhestand zu finanzieren, läuft Gefahr, drastische Einbußen hinnehmen zu müssen. Halten wir uns vor Augen, dass ein Termingeldguthaben von 100.000 Euro bei einer Zinsbindung von drei Jahren aktuell nur rund 3.000 Euro Ertrag vor Steuer abwirft. Von einem Großanleger kann hier kaum gesprochen werden.

 

Deutschland hat die Finanzkrise hinter sich, aber ….

Die Festgeldanlage erfordert eine breitere Verteilung des Geldes

Deutsche Banken haben die nationale Bankenkrise überstanden. Unstrittig ist aber, dass die Banken mit den besten Angeboten hierzulande ihren Sitz im europäischen Ausland haben. In der Anlegerpsychologie wird dabei selten zwischen dem Herkunftsland, sondern nur zwischen Deutschland und Ausland unterschieden. Es liegt daher nahe, dass sich viele Anleger die Zeit herbeisehnen, zu der die Zinsbindung ihres Festgeldes ausläuft und sie ihre Vermögensanlage neu ordnen können.

Der wahrscheinlichste Ansatz wird die Aufteilung des Guthabens auf mehrere Institute sein. Ob dabei die Grenze von 100.000 Euro noch als real betrachtet wird, steht auf einem anderen Blatt. Zu laut wurde auch im Zusammenhang mit Zypern die Diskussion um eine Beteiligung aller Anleger an der Bankensanierung geführt. Ein anderes Szenario, alternativ zur Splittung der Anlagebeträge, kann der Rückzug aus Termingeldern und Einlagen generell sein. Kurz laufende Rentenpapiere, die in der Verzinsung der Rendite von Termingeldern ähneln, könnten eine Alternative werden. Noch hatte die Rettung eines Staates Vorrang vor der Rettung einer Bank und den Einlagen ihrer Kunden. Auch wenn Zypern der vorläufige Höhepunkt in der europäischen Finanzkrise war, schwebt immer noch das Damoklesschwert einer verschärften Krise über Spanien, Portugal und Italien. Italien um so mehr, als eine Regierungsbildung immer schwieriger wird. Wer als deutscher Anleger einfach nur sein Erspartes anlegen will, hat heute nicht mehr nur die Qual der Wahl zwischen den Anbietern, sondern muss auch noch gesamteuropäische Entwicklungen bei der Anlageentscheidung und die Beschlüsse der EZB und der Europäischen Union zu berücksichtigen.