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Festgeldsparer müssen umdenken

Die Entscheidung der Europäischen Union, Großanleger, Sparer mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro, an der Sanierung einer Bank in Schieflage zu beteiligen, fordert ein Umdenken bei den Anlegern von Festgeld. Weshalb ein Mensch, der über ein Vermögen von 100.000 Euro verfügt, ein Großanleger ist, bleibt grundsätzlich fraglich.

Wer sein Leben lang auf welche Art auch immer gespart hat, um damit seine Rente zu erhöhen, und nun mit einem Guthaben von mehr als 100.000 Euro bei seiner Hausbank von den Zinsen den Ruhestand zu finanzieren, läuft Gefahr, drastische Einbußen hinnehmen zu müssen. Halten wir uns vor Augen, dass ein Termingeldguthaben von 100.000 Euro bei einer Zinsbindung von drei Jahren aktuell nur rund 3.000 Euro Ertrag vor Steuer abwirft. Von einem Großanleger kann hier kaum gesprochen werden. Weiterlesen

Staatsschulden sinkende Bonität – der Teufelskreis der EZB

Mario Draghi ist nicht zu beneiden. In seinem Territorium brennt es an allen Ecken und Enden. Die Rezession gerade in Südeuropa führt dort zu enormen Verlusten an Steuereinnahmen, was eine ungeheure Belastung für die Staatshaushalte bedeutet. Diese benötigen Geld, können es aber aktuell nur durch Neuverschuldung beschaffen. Eine Neuverschuldung bedeutet wiederum eine Erhöhung der Staatsausgaben und eine Vergrößerung des Loches in den Haushaltskassen der EU-Mitgliedsländer. Welche Auswirkungen hat dies aber für Anleger in Deutschland?

 

Zinsen müssen langfristig niedrig bleiben

Die EZB im Spannungsfeld der Finanzmärkte

Weil Spanien kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht und Italien seinen Haushalt nicht in den Griff bekommt, erhalten deutsche Sparer nur noch marginale Zinsen auf ihre Einlagen – so salopp kann der Sachverhalt beschrieben werden. Die Zinsen für Einlagen orientieren sich weltweit an den Zinssätzen der jeweiligen Zentralbanken.

Die Zinsen für Staatsanleihen setzen sich aus zwei Komponenten zusammen, dem Zentralbankzins und der Bonität der Schuldnerländer. Sinkt die Bonität eines Staates, wird dies als Risikoprämie auf einen Anleihezins eingepreist, das jeweilige Land muss also mehr an die Anleger bezahlen. Ist der entsprechende Staat sowieso schon überschuldet, sind höhere Zinsen fatal. Dem muss die Zentralbank dadurch gegensteuern, dass sie den Zins für die eigene Geldausleihe niedrig hält, um Staatsanleihen bedienbar zu halten. Niedrige Zinsen bedingen andererseits wieder einen erhöhten Bargeldumlauf, der langfristig eine steigende Inflation begünstigt – Mario Draghis ganz persönlicher Teufelskreis. Einen Staatsbankrott der südeuropäischen Länder auf breiter Front kann die EZB durch einen Anstieg der Zinsen nicht verantworten.

 

Bundesrepublik gelang durch eine Anleihe eine partielle Entschuldung

Erfreulicherweise gehört die Bundesrepublik noch zu den stabileren Volkswirtschaften in Europa. Dieser Umstand sorgte dafür, dass im vergangenen Jahr eine Anleihe mit einer negativen Rendite für die Anleger begeben werden konnte. Anstatt zu einer Erhöhung der Staatsausgaben führte diese Anleihe zu einer Entschuldung. Das Plus für den Finanzminister war das Minus für die Anleger. Die Zwangsmaßnahme der niedrigen Zinsen, um einige Mitgliedsstaaten vor dem Ruin zu bewahren, wirkt sich ganz massiv auf das Volksvermögen in Deutschland aus.

Nach wie vor schören viele Verbraucher auf Sparbuch und Tagesgeld. Solange aber die Vielzahl der Anbieter nur Zinsen anbieten, die deutlich unterhalb der Inflationsrate liegen, wird das Volksvermögen nicht durch einen Börsencrash vernichtet, sondern Jahr für Jahr gehen Milliarden durch den Kaufkraftverlust verloren. Das Alibi der relativ geringen Inflationsrate, die einen erhöhten Bargeldumlauf zuließe und einen Anstieg der Zinsen nicht nötig mache, ist offenkundig. Ein Zinsanstieg wäre für Südeuropa nicht zu verkraften. So können deutsche Anleger nur hoffen und beten, dass Spanien, Portugal, Italien und nun auch Zypern ihre Finanzen schneller in den Griff bekommen als der Dauerpatient Griechenland.